Jackendiktator im Theater Itzehoe

Begonnen von muesli, Montag, 04. Februar 2008 - 07:38:54

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Globetrotter

Ich glaube nicht, dass es hier darum geht, dass es Leute gibt, die gerne mit einer Winterjacke im 23 Grad warmen Zuschauersaal sitzen. Oder die so knausrig sind, dass sie auf keinen Fall den einen Euro für die Garderobe ausgeben möchten.

Ich oute mich gerne: Überall wo es nur geht, nehme ich meine Jacke mit in den Zuschauerraum und meide die Garderobe weiträumig (nicht aber in Itzehoe, da ich weiß dass es hier Garderobenzwang gibt). Der Grund dafür ist nicht, dass ich es gerne warm habe, dass ich knickrig bin oder keine Umgangsformen habe. Der Grund ist schlicht und einfach: Ich hasse Menschenaufläufe (und gehe trotzdem gerne ins Theater. Das gibt es), vor allem die Aufläufe nach den Vorstellungen vor den Garderoben wo geschubst und gedrängelt wird, als ob es auf eine Minute mehr oder weniger ankommen würde. Man wird von allen Seiten angerempelt, Leute steigen einem über die Zehen und werfen sich fast über den Tresen um ja noch vor allen anderen dran zu kommen. Ok, das ist leicht übertrieben, aber so empfinde ich das und deshalb ist diese Sache für mich mehr als unangenehm. Also nehme ich lieber die Unbequemlichkeit in Kauf meine Jacke mit in den Besuchersaal zu nehmen und sie irgendwo unter den Sitz zu stopfen wo sie zerknittert oder vieleicht sogar schmutzig wird.

Im übrigen finde ich, dass in einem Theater in dem Kultur geboten wird, auch Menschen arbeiten sollten, die gewisse Umgangsformen haben. Dieses quer durch die Reihen rufen wie es Müsli beschrieben hat ist ja wohl vollkommen daneben. Das hat erstens nur den Sinn Leute vor Anderen bloß zu stellen und sie dann auch noch zu schickanieren indem man sie ihre Jacken anziehen lässt. Richtig wäre wohl ein freundlicher, ruhiger Hinweis auf den Garderobenzwang aus Brandschutzgründen. Wer das nicht täglich 10 mal  gleichbleibend freundlich zu verschiedenen Menschen sagen kann, hat in diesem Job nichts verloren.

Im übrigen: Wie wäre es denn damit: Eine halbe- und eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn eine freundliche Durchsage über die Lautsprecher zusammen mit der Bitte die Handys auszuschalten und die Sache ist sicherlich zu 90% gegessen. Den unbelehrbaren Rest kann man dann immer noch nachhaltiger bearbeiten. Vielen Leuten ist schlichtweg nicht klar, dass es einen Graderobenzwang gibt. Ich musste das bei meinem ersten Besuch auch erfragen. Entsprechende Hinweise auf Aushängen sind mir zumindest nicht ins Auge gesprungen.

Im übrigen kann ich mich Müsli nur anschliessen: Ich kenne den Garderobenzwang aus keinem anderen Theater in Hamburg. Trotzdem ist es natürlich ohne Zweifel eine sinnvolle Sache, wenn damit die Sicherheit für die Gäste erhöht wird, der ich mich gerne beuge - wenn ich denn muss.

Paul Schrader

Zitat von: Globetrotter in Dienstag, 05. Februar 2008 - 13:16:48
Vielen Leuten ist schlichtweg nicht klar, dass es einen Graderobenzwang gibt. Ich musste das bei meinem ersten Besuch auch erfragen. Entsprechende Hinweise auf Aushängen sind mir zumindest nicht ins Auge gesprungen.

Den Hinweis siehst Du spätestens beim Betreten des Großen Saals - denn da steht entsprechendes an der Tür.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass einige auch ihre Jacke nicht abgeben, weil darin Geldbörse, Kreditkarten, Handy und sonstige Wertgegenstände aufgehoben werden. Die müssten dann wohl bei der Abgabe der Jacke in der Garderobe aus selbiger entnommen werden. Wo soll man diese Dinge lassen, wenn man nicht gerade im Besitz einer Handtasche ist? Eine Alternative zur Garderobe (oder auch Ergänzung) sind vielleicht Schließfächer im Foyer.

Globetrotter

Stimmt. Schließfächer wären eine super Sache.
Denn bei Handtaschen weiß man ja nun auch nicht was letztendlich zu groß ist. Wenn ich da an meine Frau denke...  ;) Nicht dass man von einem (un-)freundlichen Herren gebeten wird, die Tasche gefälligst umzuhängen.

Martin100

Hallo,

Zitat von: Globetrotter in Dienstag, 05. Februar 2008 - 13:16:48
Der Grund ist schlicht und einfach: Ich hasse Menschenaufläufe (und gehe trotzdem gerne ins Theater. Das gibt es), vor allem die Aufläufe nach den Vorstellungen vor den Garderoben wo geschubst und gedrängelt wird, als ob es auf eine Minute mehr oder weniger ankommen würde. Man wird von allen Seiten angerempelt, Leute steigen einem über die Zehen und werfen sich fast über den Tresen um ja noch vor allen anderen dran zu kommen.

ok, so etwas habe ich mal in New York kennen gelernt, aber nicht in unserem Stadttheater.

Zitat von: Globetrotter in Dienstag, 05. Februar 2008 - 13:16:48
Ok, das ist leicht übertrieben, aber so empfinde ich das und deshalb ist diese Sache für mich mehr als unangenehm. Also nehme ich lieber die Unbequemlichkeit in Kauf meine Jacke mit in den Besuchersaal zu nehmen und sie irgendwo unter den Sitz zu stopfen wo sie zerknittert oder vieleicht sogar schmutzig wird.

Im übrigen finde ich, dass in einem Theater in dem Kultur geboten wird, auch Menschen arbeiten sollten, die gewisse Umgangsformen haben. Dieses quer durch die Reihen rufen wie es Müsli beschrieben hat ist ja wohl vollkommen daneben.


Nur diese Mitarbeiter müssen Ihre Aufgabe bis zum Veranstaltungsbeginn erledigt haben.
Wenn jemand seine Klamoten unter den Sitz stopft, sehen sie es gar nicht, also sehen
sie nur die Kleidungsstücke, die denen über die Schulter (äh Sitz) geworfen werden, die
vor den Werfern sitzen.
Und wenn der Gong naht, und man es nur mit uneinsichtigen Geizhälsen zu tun hat,
muß man schon energisch werden, damit man die vereinbarte Zielvereinbarungen mit unserer Theater Direktorin erfüllen kann, und den restlichen vernünftigen Zuschauern
sowie den Darstellern und Künstlern einen pünktlichen Beginn liefern kann.

Zitat von: Globetrotter in Dienstag, 05. Februar 2008 - 13:16:48
Wer das nicht täglich 10 mal  gleichbleibend freundlich zu verschiedenen Menschen sagen kann, hat in diesem Job nichts verloren.

Das hat leider nur den Haken das man es den Leuten 10 mal  gleichbleibend freundlich sagt,
aber dafür 9 mal angepöbelt wird.

Welchen Job machst Du? Vor oder hinter einem "Tresen"?

Gruß Martin

Globetrotter

Ich sagte ja, dass es von mir etwas übertrieben dargestellt ist. In Itzehoe findet das so extrem nicht statt, trotzdem aber in einer Form die mich stresst und mir sehr unangenehm ist.

Und ich bleibe dabei. Wer in einem solchen Job arbeitet, hat freundlich zu sein. Auch wenn er in 9 von 10 Fällen angepöbelt wird. Warum muss ich als Gast ausbaden, dass der Mitarbeiter gerade von jemand anderem angepöbelt worden ist?
Und ich glaube auch weiterhin, dass die meisten der Jackenträger keine uneinsichtigen Geizhälse sind. Dass es solche Fälle sicher auch gibt bestreite ich nicht, dass man das aber zum Standardfall erklärt ist meiner Meinung nach nicht richtig.

Ich selbst arbeite hinter keinem echten Tresen aber ein Teil meiner Arbeit findet hinter einem virtuellen Tresen statt. Dort bekomme ich auch oft mehr als 10 mal am Tag das gleiche Gemecker und höre 20 mal die gleiche Frage. Trotzdem bleibe ich freundlich, denn der Kunde den ich am Telefon habe hat mit dem Kunden der eben angerufen hat nichts zu tun.
Im übrigen löse ich die meiste Zeit am Tag Probleme (die meist der Grund für das Gemecker sind). Und dabei lernt man: Wenn 100 Leute den gleichen Fehler machen, dann sind nicht die Leute schuld, sondern das System. Also muss ich das System ändern. Und einen solchen Vorschlag zur Verbesserung des Systems habe ich gemacht mit der Lautsprecherdurchsage. Ich behaupte, dass dadurch die 'Ordner' wesentlich weniger Erklärungsbedarf hätten und sich das Problem wirklich auf ein paar uneinsichtige Geizkragen reduziert.
Und mit denen kann man meinetwegen machen was man will  :)

doc_dust

Zitat von: Helmut in Dienstag, 05. Februar 2008 - 12:16:19
Im Theater ist es ungehörig den Schauspielern und sonstigen Akteuren gegenüber, eine "Outdoor-Jacke", wie es neuhochdenglisch so schön heißt, anzubehalten. Ich sitze dort nicht in der Mitropa-Bahnhofswartehalle. Wer seine Jacke oder seinen Mantel  anbehält, dokumentiert: Ich will möglichst schnell wieder gehen. Er / sie möge es doch bitte tun!

Wenn die Jackenabgabe Vorschrift bzw. Hausordnung ist, muss es wohl akzeptiert werden. Diese spießige Einstellung von "Helmut" kann ich allerdings vom Grundsatz her nicht nachvollziehen! Er möge doch gern mal den (man verzeihe mir diese schändliche Ausdrucksweise) sprichwörtlichen Stock aus dem Allerwertesten nehmen und nicht von sich (wahrscheinlich erklingt bei ihm auch ein Glöckchen seines Butlers, welcher den Tee kredenzt) auf andere schliessen! Ein Besuch im theater itzehoe (ja, die Kleinschreibung wird bedacht) kommt ja wohl keinem Staatsempfang gleich!

Nullarbor

Zitat von: doc_dust in Mittwoch, 13. Februar 2008 - 10:26:13
Zitat von: Helmut in Dienstag, 05. Februar 2008 - 12:16:19
Im Theater ist es ungehörig den Schauspielern und sonstigen Akteuren gegenüber, eine "Outdoor-Jacke", wie es neuhochdenglisch so schön heißt, anzubehalten. Ich sitze dort nicht in der Mitropa-Bahnhofswartehalle. Wer seine Jacke oder seinen Mantel  anbehält, dokumentiert: Ich will möglichst schnell wieder gehen. Er / sie möge es doch bitte tun!

.... Diese spießige Einstellung von "Helmut" kann ich allerdings vom Grundsatz her nicht nachvollziehen! ....

Also ich kann an der Einstellung nichts spießiges erkennen. Auch meiner Meinung nach gehört es sich nicht, im Theater seine Jacke anzulassen. Und das hat nichts mit Spießigkeit zu tun.
Gruß
Nullarbor

Sway

Also, ich war gestern abend selber Gast im theater itzehoe und musste mich natürlich an diese Diskussion erinnern!  ;)
Soweit ich überblicken konnte, hatte der "Jacken-Ordner" nicht viel zu tun, und die Garderoben waren voll!
Und Beschilderung und Hinweise gibt es genug, es ist nicht zu übersehen, DASS und WARUM die Jacken nicht in den Saal gehören. Und ich hatte wirklich einen objektiven Blick dafür, denn ich habe das Theater zum ersten Mal besucht und musste die Hinweise nicht erst suchen...

Das Stück war übrigens klasse!!!  ;D

Martin100

Hallo,

Zitat von: Globetrotter in Mittwoch, 06. Februar 2008 - 12:13:52
Ich selbst arbeite hinter keinem echten Tresen aber ein Teil meiner Arbeit findet hinter einem virtuellen Tresen statt.

Das ist sicher auch keine leichte Arbeit, aber immer noch etwas anders als Gesicht zu Gesicht.

So wie ich das mitbekommen habe, sind es auch freiwillige Feuerwehrleute, die dort den Brandschutz sichern sollen, die die Leute auf ihr Fehlverhalten hinweisen.

Sollte man auch mal bedenken.

Gruß Martin


wutz

Ich war heute im Theater und habe gesehen wie ein Feuerwehrmann eine Zuschauerin bat, ihren Mantel abzugeben oder anzuziehen, sie zog in an.  Also man muss nicht 1 (und Buchstaben ein) € an der Gaderobe investieren.

Aber stellt euch mal auf die Bühne, Kinder die aufgeregt ihr Balettstück zeigen und Mama sitzt im Wintermantel im Saal.

doc_dust