Schachtdeckel auf dem Malzmüllerwiesen - suche die Geschichte dazu ?

Begonnen von kathrin0702, Freitag, 19. Oktober 2007 - 11:34:14

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DerDerbste

Zitat von: Martin100 in Freitag, 26. Oktober 2007 - 07:49:26
... In dem Foto, das die lange Brücke zur Breiten Straße zeigt, sieht man aber auch wie verschlickt die Störschleife war. Das gab eine schöne Geruchsbelästigung. So etwas wird in der Rückschau immer gern vergessen. Zu dem Foto stellt sich mir die Frage des Standortes des Fotografen.

Herr Schwarz vom gleichnamigen Café erzählte mir mal, dass früher die Keller regelmäßig voll Wasser standen. Das Störsperrwerk kam ja auch erst 1975.

bruellmuecke

#16
Der Mühlengraben und die Malzmühle

Am nordwestlichen Rand zur Breitenburger Straße werden die Malzmüllerwiesen begrenzt durch den Mühlengraben. Seine Quellen liegen im Freudental und im Eichtal. Im Osterhofer Teich an der Grossen Paaschburg vereinigen sich alle Zuflüsse. Unter dem Breitenburgerweg hindurch östlich des Westerhofs fließt er weiter bis an den Geestrand an der Breitenburgerstrasse.

Als Vorfluter fließt er dann weiter nordwestlich, bis ca. 1850 noch unter der Breiten Straße durch und mündete damals erst dahinter in den Stadtarm der Störschleife, heute etwa in Höhe des Durchgangs zur Vereinsbank hinter dem jetzigen Karstadt-Kundenparkplatz.

Hier stand auch die Malzmühle (heute etwa Haus Breite Str. 48), die bis um 1850 betrieben wurde. Weitere Zuflüsse kamen vom Holzkamp über die Bleiche (heute Stiftstrasse), vom Sandberg über die Breite Strasse und vom Suder Teich (heute Helenenstrasse) über das Gelände südlich der Feldschmiede (heute Brookstrasse), Prinzesshof, Bekstrasse.

Nach 1850 nutzte dann die Zuckerfabrik das Wasser indem sie es unter dem Stadtarm der Störschleife hindurch bis in die Fabrik in der Wallstrasse leitete.


Auszug Stadtplan Itzehoe, 1848


Bereits vor 1900 war die Mündung des Mühlengrabens in die Stör in Höhe des Westerhofes verlegt worden, direkt neben dem jetzigen Gelände des Itzehoer Ruder-Clubs. Der freie Mühlengraben endete nun hinter der Breitenburgerstrasse etwa in Höhe Bergstrasse, er ist bis heute nur wenig weiter verrohrt worden.


Auszug Stadtplan Itzehoe um 1900


Auszug TK 1:25.000, um 1950

Die Mündung des Mühlengrabens wurde Ende der Siebziger abermals verlegt. Er endet heute im großen Teich der Malzmüllerwiesen um dann über das Regenrückhaltebecken der Stör zuzufließen. Das Siel direkt zur Stör wird nur zum Vollablaß des Teiches genutzt.


Auszug TK 1:25.000, ca. 1998



Die Malzmüllerwiesen

Die Nutzung der Malzmüllerwiesen begann erst ab ca. 1950. Bis dahin waren die sehr tiefliegenden Wiesen häufig von den Hochwassern der Stör überschwemmt da sie nur durch einen niedrigen Sommerdeich geschützt wurden.


Überflutung der Malzmüllerwiesen um 1950, links die Viehmarkthalle
Standort: Ecke Ritterstrasse / Breitenburger Strasse


2007




Hochwasser - Stadtarm der Störschleife und Malzmüllerwiesen 1969


2005


Die Aufschüttungen mit Sand vom Ochsenmarktskamp begannen im westlichen Teil der Malzmüllerwiesen Mitte der Fünfziger Jahre. Die Verbindungsstrasse von der Ritterstrasse zur "neuen Schweinebrücke" an der Viehmarkthalle entstand, ebenso der neue Wochenmarktplatz und die Tribüne mit Sportplatz, welches um 1960 eingeweiht wurde. Der restliche südliche Teil blieb bis zur Zuschüttung der Störschleife eine Wiese.


Neuer Wochenmarktplatz 1959


2007


Noch einige Luftbilder:


Nordteil der Malzmüllerwiesen 1952


Blick von der St. Laurentii-Kirche nach Süden um 1960


Neustadt und Malzmüllerwiesen 1962


Mitte der Siebziger wurde dann der Deich zur Stör erhöht und mit dem Aufspülen von ca. 44.000 m^3 Schlamm aus der Störschleife verschwand auch die restlichen Wiese und der heutige Teich entstand. Die wenig genutzte Tribüne und der Sportplatz fielen Ende der Siebziger dem Bau der Schuhmacherallee und der Umgestaltung seines Umfeldes zum Opfer.

Im Regenrückhaltebecken nahe dem Delftor endet heute neben dem Mühlengraben auch der unterirdische Ringkanal der den Stadtarm der Störschleife ersetzt hat.


Aufspülen von Schlamm aus der Störschleife auf die Malzmüllerwiesen 1974

[Edit] Rechtschreibung

Bernd

Vielen Dank, Brüllmücke, für diesen sehr informativen Beitrag. Text, Pläne und Bilder ergänzen sich hervorragend.

Das ist preisverdächtig.

Slartibartfass

Zitat von: Bernd in Freitag, 02. November 2007 - 09:17:10
Vielen Dank, Brüllmücke, für diesen sehr informativen Beitrag. Text, Pläne und Bilder ergänzen sich hervorragend.

Das ist preisverdächtig.
Das kann ich so nur unterschreiben.
Danke für diese Tolle Zeitreise, Brüllmücke! :)


Kleine Frage am Rande:
"Im Regenrückhaltebecke n nahe dem Delftor endet heute neben dem Mühlengraben auch der unterirdische Ringkanal der den Stadtarm der Störschleife ersetzt hat."
Was hat es mit diesem Ringkanal auf sich? Führt er das Kanalisationswasser, das früher in die Störschleife geleitet wurde?
Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.

Hausmeister


bruellmuecke

Erstmal Danke für das Lob :-)

Zitat von: Slartibartfass in Freitag, 02. November 2007 - 09:34:32Was hat es mit diesem Ringkanal auf sich? Führt er das Kanalisationswasser, das früher in die Störschleife geleitet wurde?

In "Die Sanierung der Itzehoer Neustadt - Dokumentation" von Schleu / Ehlers steht über den Ringkanal auf S. 67 folgendes:

"Mit dem Zuschütten des Stadtarms der Stör wurde es erforderlich, den Abfluß des Oberflächenwassers auf andere Weise sicherzustellen. Der I. Bauabschnitt zwischen August 1971 und August 1973 umfaßte den Bau eines Regenrückhaltebeckens mit Schöpfwerk auf den Malzmüllerwiesen sowie erste Teilabschnitte eines Ringkanals.

In zwei weiteren Bauabschnitten von Januar 1973 bis März 1976 wurde die ehemalige Störschleife verrohrt. Ein Ringkanal mit den Innenmaßen 2,50m breit und 2,00m hoch wurde im Flußbett auf Pfählen gegründet. Durch diese Gründung wurde verhindert, daß das Bauwerk infolge von Setzungserscheinungen zerstört würde.

Das große Profil war notwendig, um sicherzustellen, daß das Oberflächenwasser auch bei starken Regenfällen in einer Größenordnung von ca. 7 m^3/s abgeleitet werden konnte. Zeitlich parallel vom 27. 5.1974 bis Februar 1975 erfolgte die Zuschüttung der Störschleife."


Der Ringkanal läuft auf den Malzmüllerwiesen östlich des alten Bettes des Stadtarms, ab dem heutigen "Seniorenpark" hinter Cafe Schwarz bis zum Landgericht / ZOB dann im alten Flußlauf.


Neustadt 1975, rechts am Regenrückhaltebecken ist die Mündung des Ringkanals gut zu erkennen

ThK

Zitat von: ThK in Donnerstag, 25. Oktober 2007 - 18:25:39

Zunächst aus diesem Büchlein, das es immer mal wieder bei ebay zu ersteigern gibt.








Es ist mal wieder soweit. Das oben genannte Buch ist bei ebay eingestellt.

KLICK

Plumbum


era


Plumbum

Ich habe da auch noch ein Bild von der Neustadt.

weiß aber keine Information darüber, ich habe genau in der Mitte gewohnt, Reichenstrasse 9

Und, schön war die Zeit!