Autor Thema: Mega-Möbelhaus: Hamburg stößt Nachbarn vor den Kopf  (Gelesen 406 mal)

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Offline Björn

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Mega-Möbelhaus: Hamburg stößt Nachbarn vor den Kopf
« am: Freitag, 22. September 2006 - 17:59:45 »
Pinneberg/Hamburg / sh:z - Eine Kampfansage auf 45 000 Quadratmetern: Hamburg schickt sich an, in Eidelstedt eines der bundesweit größten Einrichtungshäuser zu genehmigen - direkt an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Möbel Höffner möchte dort Kunden abfangen, die ihre Möbel bisher im nördlichen Nachbarland kaufen. Das Mega-Kaufhaus liegt am Zusammenfluss von A7 und A23 und damit direkt an den Kundenströmen Richtung Möbelmeile (Halstenbek), Dodenhof (Kaltenkirchen) und Teppich Kibek (Elmshorn). Das Bebauungsplanverfahren läuft, die Eröffnung ist für Ende 2008 angepeilt.

Allen Beteuerungen zu besserer Kooperation in der Metropolregion zum Trotz verfolgt der Stadtstaat das Megaprojekt (60 Millionen Euro Investition, 600 Arbeitsplätze) im Alleingang. "Hamburg hat noch immer nicht gelernt, das Umland bei solchen Vorhaben einzubinden", ärgert sich Pinnebergs Landrat Wolfgang Grimme (CDU). Er befürchtet beträchtliche Umsatzverluste für die Speckgürtelstandorte und spricht von "Kleinstaaterei".
Was den Landrat besonders nervt: Nach Bekannt werden der Höffner-Pläne im vorigen Jahr hatte Hamburgs Stadtentwicklungssenator Michael Freytag (CDU) noch gelobt, das Umland künftig früher zu beteiligen. Ein ziemlich leeres Versprechen, wie die Nachbarkreise nun feststellen. Nicht nur, dass Höffner die Größenordnung des Riesenmarktes nochmals aufstockte, auch ließ Hamburg die Nachbarkreise bei der Erstellung eines Gutachtens zu den Auswirkungen auf Geschäfte im Umkreis links liegen. Die von Hamburg bezahlte Expertise kommt denn auch wenig überraschend zu dem Schluss, dass die Großansiedlung den Möbeleinzelhandel im Einzugsbereich "nicht mehr als unwesentlich beeinträchtigt".

Die Verantwortlichen in der Hansestadt sind sich keines Vergehens gegen den Geist guter Nachbarschaft bewusst. "Wir beteiligen die Umlandkreise doch wie vorgeschrieben als Träger öffentlicher Belange", erklärt Freytags Sprecherin Kerstin Feddersen lapidar. Rücksicht auf die Möbelmärkte im Umland müsse Hamburg dabei nicht nehmen: "Das ist eben eine Konkurrenzsituation."

Ein schlechtes Gewissen haben Freytag und die Seinen schon deshalb nicht, weil Hamburgs Bürger bislang mehr als die Hälfte ihrer Einrichtung im Umland kaufen. Unter anderem in Barsbüttel, wo Möbel Höffner im November 2005 einen annährend so großen Markt (37 500 Quadratmeter) eröffnet hat - einen Steinwurf jenseits der Landesgrenze auf Stormarnschem Grund. Hinter vorgehaltener Hand räumt man in der Stadtentwicklungsbehörde durchaus so etwas wie eine Retourkutsche ein: "Warum sollen wir denn jetzt plötzlich auf Schleswig-Holstein Rücksicht nehmen?"

Quelle: shz