Autor Thema: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler  (Gelesen 1754 mal)

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Offline Guido

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Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« am: Dienstag, 12. Februar 2013 - 00:47:03 »

"Verspätungen und Überfüllungen | Wie Bahnpendler leiden und hoffen".

Die 'Norddeutsche Rundschau' und die 'Wilstersche Zeitung' haben unter diesem Titel am 01.02.2013 einen besonders lesenswerten Beitrag veröffentlicht: Geschildert wird der durchaus repräsentative Alltag auf der Regionalbahnstrecke (Itzehoe - ) Krempe - Gückstadt - Elmshorn - Tornesch - Pinneberg - Hamburg.

Am 09.02.2013 erschien dazu in beiden Lokalzeitungen mein Leserbrief mit der Überschrift "Unterelberegion auf Abstellgleis":

Danke für diesen überfälligen Artikel! Es verschärft sich der Eindruck, dass den Bahnpendlern zwischen Itzehoe und Hamburg, die wesentlich mit dazu beitragen, das Steueraufkommen und damit auch die Finanzkraft der Kommunen in den Kreisen Steinburg und Pinneberg zu erhalten, immer wieder neue Herausforderungen auferlegt werden. Dies zeigt deutlich, dass die Unterelberegion abgekoppelt wird und auf dem Abstellgleis landet, wenn nicht endlich gegengesteuert wird.

Desolat ist dabei zum einen der Zustand des völlig veralteten Wagenmaterials aus den 1980er Jahren, das die DB Regio, der Platzhirsch auf Deutschlands Schienenwegen, einsetzt. Die Waggons rumpeln, sie sind laut sowie störanfällig für technische Defekte, und bequemer Sitzkomfort sieht auch anders aus. Der mächtige Anbieter gibt diesen unhaltbaren Zustand sogar zu und verkündet, dass es bei dieser Zumutung "definitiv bis Ende 2014" bleibt. Kein feiner Zug der Bahn und an Ignoranz und Arroganz kaum zu überbieten. Dass es durchaus anders geht, zeigt die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die die Strecke Westerland/Sylt - Hamburg mit Halten in Itzehoe, Glückstadt (noch!) und Elmshorn bedient.

Völlig inakzeptabel ist auch, dass die Züge sowohl der DB Regio als auch der NOB zwischen der Steinburger Kreisstadt und der Hansestadt oftmals völlig überfüllt sind und die Bahnkunden dann spätestens ab Elmshorn in den Gängen stehen müssen. Geradezu unglaublich ist die Verhöhnung der davon betroffenen Reisenden durch den offiziellen DB-Sprecher, es handele sich hierbei um eine lediglich gefühlte Überbesetzung: "Fakt ist, dass im subjektiven Empfinden der Fahrgäste ein Zug wesentlich schneller überfüllt wirkt, als nach den tatsächlichen Zahlen". Was nicht sein kann, das nicht sein darf? Nein, Herr Meyer-Lovis, das alles ist real, immer wieder, vor allem zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Nachmittag. Werden Sie bitte endlich wach und handeln Sie! Denkbar wären neben einer besseren zeitlichen Taktung zum Beispiel der Einsatz von modernen und längeren oder Doppelstockzügen. Anderenorts im Norden ist dies schon lange möglich.

Wirklich kein Vergnügen sind ferner die immer wieder eintretenden Verspätungen und Totalausfälle, die der DB-Sprecher als "Einzelfälle" bagatellisiert. Darüber, dass es auf den Verbindungen zwischen Itzehoe und Hamburg so manches Mal bis zu zehn Minuten länger dauert, regt sich zwar kaum noch jemand auf - schön ist dies trotzdem nicht. Ein Debakel aber sind solche Zugausfälle wie der bei der NOB am Morgen des 16. Januar 2013, als die Reisenden erst mit bis zu zwei Stunden Verspätung in Hamburg eintrafen. Das kann zwar passieren, aber völlig unnötig sind solche Vorkommnisse: Keine klare Information der Reisenden, statt dessen späte, falsche und in sich widersprüchliche Ansagen im letztlich dann statt nach Hamburg plötzlich wieder nach Sylt zurückfahrenden Zug und auf dem Bahnsteig in Itzehoe. Wieder einmal wurden die Betroffenen Opfer der offenbar unzureichenden Kommunikation zwischen dem Anbieter NOB und der DB als Eigentümerin des Bahnhofs und des Schienennetzes.

Unmöglich auch dies: Am Abend des 29. Januar 2013 durfte wegen einer Vollsperrung infolge eines Polizeieinsatzes kein Zug mehr den Bahnhof Itzehoe anlaufen. Langsam fuhr die NOB von Hamburg bis Glückstadt, um dort längere Zeit stehenzubleiben. Reisenden in die Steinburger Kreisstadt wurde nahegelegt, die bereitgestellten Busse zu nutzen, deren Fahrer unzureichend informiert waren und unnötigerweise in Krempe und Kremperheide halten sollten (wo die NOB gar nicht hält, weshalb dort auch niemand aussteigen musste). Auf Höhe Krempe rauschte dann die ein paar Minuten vorher verlassene NOB vorbei, die zwar deutlich verspätet, aber noch wesentlich früher als die Ersatzbusse, in Itzehoe ankam. Das ganze Geschehen hatte schon groteske bis kafkaeske Züge. Wer hat eigentlich ein solches Chaos zu verantworten? Und was wird konkret dafür getan, dass sich ein derart heilloses Durcheinander nicht wiederholt?
 
Meine Empfehlung an alle betroffenen Bahnreisenden: Lassen Sie sich die ewige Schönfärberei von strukturellen Missständen nicht gefallen! Wenden Sie sich an die Politiker aller Parteien in den Gemeinde- und Stadtvertretungen, in den Kreistagen und im Landtag! Richten Sie Ihre berechtigten Beschwerden zu Missständen an die DB Regio Nord in Hamburg (ran-schleswig-holstein@bahn.de), an die NOB in Kiel (post@nob.de) und an die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein in Kiel (kundendialog@lvs-sh.de)!
 
Übrigens: Finanzielle Entschädigungen bei Verspätungen ab 20 Minuten gibt es hier im Netz: www.nah.sh/nah-sh/fahrkarten/die-nah-sh-garantie

Guido Schümann, Itzehoe



Wer aus der Region Westholstein kann noch von seinen Erfahrungen als Bahnpendler berichten?

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breughel

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #1 am: Dienstag, 12. Februar 2013 - 15:32:02 »
Ich habe seit Jahrzehnten immer mal wieder berichtet - ist auf Dauer müßig.
Highlighzs:
Bahnhöfe Glückstadt, Wilster, Elmshron, Pinneberg, Meldorf, Wrist - bewirtschaftete Ruinen.

Offline Guido

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #2 am: Dienstag, 12. Februar 2013 - 21:44:57 »

Bahnhöfe Glückstadt, Wilster, Elmshorn, Pinneberg, Meldorf, Wrist - bewirtschaftete Ruinen.

"Bewirtschaftete Ruinen" - darauf muss man erst einmal kommen... Aber leider auch irgendwie zutreffend.

Doch das muss ja nicht so bleiben. Neben der DB, und zwar unabhängig davon, ob diese (noch) Nutzer und / oder Eigentümer der besagten Immobilien ist, sollten auch die Kommunen ein Interesse an einem ordentlichen baulichen Zustand dieser einstigen Aushängeschilder des Bahnbetriebes haben. Sind sie doch auch so etwas wie eine Visitenkarte für die jeweilige Gemeinde oder Stadt - und für die Bahn selbst.

Hierzu passt übrigens ein Artikel aus der 'Welt am Sonntag' vom 10.02.2013:
"Investitionsmangel | Die Bahn lässt Tausende deutsche Bahnhöfe verfallen"


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Offline Koch Th

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #3 am: Mittwoch, 13. Februar 2013 - 11:52:38 »
Änliches erlebte ich auf der Anreise zur REHA. :
Laut zugesendeten Zugplan(Fahrplan) 4,00uhr ab IZ Gleis 4   .. : Dort stand auch ein Zug
2Minuten vor Abfahrt kam ein Zugführer und lies mich und die andern Fahrgäste i,in den benachbarten Zug.Dieser fuhr auch Pünklich los.
Umsteigen in Elmshorn .Nächster Zug 35minuten verspätung.(Übergang in H.H zum ICE 9minuten)

Nach Hanover habe ich mich dann selbst" durgeschlagen" .Dort bot sich das erstemal Zeit und Gelegenheit einen neuen Reiseplan zu erstellen.
Ich kam mit (nur)einer Stunde verspätung und 4*Umsteigen an.


Die Rückfahrt habe ich selbst viva Internet erstellt.3*Umsteigen bis IZ.
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Offline Desinfector

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #4 am: Mittwoch, 13. Februar 2013 - 22:27:41 »
Ich arbeite in Pinneberg.
meine Haltestelle wäre Thesdorf, dann wäre ich 800m vom Arbeitgeber entfernt.
Das würde mir noch nicht mal etwas ausmachen,
da ich für kleinere Einkäufe ca 3Km durchaus auch zu Fuss zurücklege.

diese o.g. 800m müsste ich auch in Kremperheide zum Bahnhof zurücklegen.
-auch kein Problem.

Wenn ich das alles noch richtig im Kopf habe,
müsste ich mich entweder 5 Km in die entgegengesetzte Richtung begeben, um einen einigermassen schnellen Zug nach Pi zu erreichen
oder in Kremperheide einen Zug nehmen, der bei jeder Milchkanne anhält.

Beide Varianten ändern nichts an der Tatsache, dass ich für einen Ort,
der sozusagen auf dem selben Bahndamm liegt, durchaus 2x umsteigen muss,
da man für Thesdorf die "elektro S-Bahn" nehmen muss.
diese "elektro-Bahn" fährt aber nicht ab/bis Elmshorn.
der Milchkannenzug der in Kremperheide hält, hält nicht immer in Pi.
oder so (...) oder wie.
Ach, so genau weiss ich das jetzt auch nicht mehr,
jedenfalls kommt einem das nur allzu oft 3.Welt-ländisch vor, was da so läuft.

Und wenn nun Verspätungen so ungünstig laufen,
dass man für 40Km Entfernung 2 Stunden benötigt,
bin ich froh, mich in mein eigenes (abbezahltes) Auto setzen zu können.
-wohlgemerkt: setzen.

Dort werde ich nicht von Spackolacken angehustet,
es nervt kein Handy und schon garnicht irgendwelche Musikplayer für Grossraumbeschallung.
Somit muss ich mir auch nicht dieses scheiss israelische Geheule (Asaf Avidan) anhören,
weil man ja im Radio davon nicht genug bekommt.

Wenn mein Auto mal nicht anspringen sollte,
und ich wirklich mal ganz dringend irgendwo hin muss, was passiert dann wohl?

Es fährt kein Zug!!!

Jetzt kann man sich ausdenken warum nicht:
weil mal wieder einer zum Leben zu blöd ist,
irgendwo ein vergessener Koffer als Angriff auf unsere Zivilisation verstanden wird,
Bäume die Oberleitung abgerissen haben oder die Lok-Bediener nicht genug verdienen.
gravity sux!

Offline Slartibartfass

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #5 am: Mittwoch, 13. Februar 2013 - 22:48:08 »
Ich arbeite in Pinneberg.
meine Haltestelle wäre Thesdorf,
Stündliche Verbindung, 43 Minuten Fahrzeit, davon 4 Minuten fürs Umsteigen in Pinneberg.
Wenn Du da den Anschluss verpasst, fährt die nächste S-Bahn in 10 Minuten.
Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.

Offline Hägar

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #6 am: Mittwoch, 13. Februar 2013 - 23:19:52 »
...so ist es...aber man kann (will) ja alles schlecht reden....und Schuld an irgendwelchen Begebenheiten ist nicht nur immer die Bahn...ohne jetzt allgemein den Zugverkehr in Schutz nehmen zu wollen... ::)

breughel

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #7 am: Freitag, 15. Februar 2013 - 11:44:02 »
Der Milchkannenzug, der in Kremperheide hält (was mich jedesmal aufregt weil dort kaum jemand ihn nutzt),
hält immer in Pinneberg und dort steht die S-Bahn im 10-Min. Takt bereit.
Der Zug ist relativ schnell (IZ - Altona 58 MIn. NOB 47 MIn.)und man kann dösen oder Zeitung lesen, muß aber einige Idioten zeitweise ertragen.
Durchuas eine Alternative zum Auto - man denke an die ewigen Baustellen zwischen IZ und PI.

Offline NF

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Paul Schrader

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #9 am: Freitag, 04. September 2015 - 18:12:47 »
Besserung und DB? Das ist leider ein Widerspruch in sich!

Offline NF

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #10 am: Freitag, 04. September 2015 - 18:38:29 »
Besserung und DB? Das ist leider ein Widerspruch in sich!


...wieso - die haben doch den Chef getauscht - kann nur besser werden  ;)
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Offline ToRü | ToРуз

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Re: Vom Leiden und Hoffen der Bahnpendler
« Antwort #11 am: Freitag, 04. September 2015 - 19:23:16 »
Schlimmer geht immer ;D
Respektiere jede Meinung. Gefallen muss sie mir ja nicht. Und das sag ich dann auch.
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